Früchte vom eigenen Obstbaum

Früchte vom eigenen Obstbaum

Ob auf dem Wochenmarkt oder als Gemüsekisten-Abo, frisches Obst und Gemüse erfreuen sich großer Beliebtheit. Vielen ist dabei wichtig, dass die Produkte aus der Region stammen, weil kurze Transportwege für eine gute CO2-Bilanz sorgen und einfach frischer sind. Die lokale Nähe verschafft aber auch eine emotionale Verbundenheit mit den Nahrungsmitteln. In Zeiten, in denen man im Supermarkt Waren aus fast sämtlichen Ländern der Erde findet und selbst Äpfel aus Übersee stammen, entsteht eine Sehnsucht nach Essen, das „von hier“, das authentisch ist. „Unsere Ernährungsgewohnheiten sind Ausdruck unseres Lifestyles und unserer Identität geworden“, stellt auch die Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler im Food Report 2016 fest. Frei nach dem Motto „Du bist, was Du isst“ pflanzen viele ihre eigenen Gemüsebeete und Obstbäume. „Wir stellen fest, dass immer mehr Menschen nach Obstgehölzen fragen“, sagt Sabine Keller, Baumschule Heckmann, Mitglied im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. „In einen Apfel zu beißen, den man vom eigenen Baum gepflückt hat, ist schließlich viel genussvoller als gekauftes Obst. Hobbygärtner, die nur wenig Erfahrung im Anbau von Äpfeln, Birnen und anderem Obst haben, finden beim Baumschulgärtner fachkundige Beratung zur Pflanzung und Pflege. Viele Baumschulen bieten auch Workshops an, in denen man Schritt für Schritt lernt, wie man einen Obstbaum richtig schneidet.“

kiwi

Große Vielfalt

Im Obstregal finden sich in der Regel immer dieselben zehn Apfelsorten. „Diese sind für den gewerblichen Anbau gezüchtet worden“, so Keller. „Dabei standen bestimmte Zuchtziele im Vordergrund: eine Wuchsform, die sich für eine maschinelle Ernte eignet, oder die lange Haltbarkeit der Früchte. Für Hobbygärtner sind andere Eigenschaften wie der Geschmack jedoch viel wichtiger.“ Obstgehölze für den Garten haben viel zu bieten: Es gibt bewährte alte Sorten und auch Neuheiten, die sich durch eine attraktive Wuchsform, einen hohen Ertrag, aromatische Früchte oder ihre hohe Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten auszeichnen. Dementsprechend abwechslungsreich ist die Auswahl an Apfelbäumen (Malus). Sie tragen kleine, mittlere oder große Früchte, manche sind gelb, andere rot, die einen reifen früh, die anderen spät. Auch bei den Standortansprüchen gibt es Unterschiede. Die Sorte ‚Pinova‘ zum Beispiel wird Anfang Oktober geerntet und ist eingelagert von November bis Juni genussreif. Geschmacklich überzeugt sie so sehr, dass sie mehrfach zum „Apfel des Jahres“ gewählt wurde. Daneben finden sich aber auch regionale Sorten wie ‚Dülmener Herbstrosenapfel‘, ‚Rheinischer Winterrambour‘ oder ‚Landsberger Renette‘.

Nicht nur zur Erntezeit ist der eigene Obstbaum ein Genuss: Von der Blüte im Frühjahr und der Fruchtbildung im Sommer, bis zur Herbstfärbung der Blätter bereichert er das ganze Jahr die Atmosphäre des Gartens. Außerdem sorgt er für summende Besucher: Die Blüte lockt Bienen, Hummeln und Co. an, die hier süßen Nektar finden. Wer es selbst auch süß mag, wird sich über selbstgeerntete Birnen (Pyrus) freuen. Neben klassischen Sorten wie ‚Williams Christ‘ oder ‚Conference‘ finden sich auch hier außergewöhnliche Neuheiten. Wer nach einer exotischen Frucht sucht, dem sei die aus Asien stammende Nashi empfohlen. Sie ist rund wie ein Apfel, schmeckt aber wie eine Birne. Oder wie wäre es mit Kiwis aus eigenem Anbau? Keller: „Die meisten Gartenbesitzer staunen über die Vielfalt im Sortiment der Obstgehölze und entscheiden sich erst bei der Beratung für eine Sorte.“

Überraschende Neuheiten

Die Gattung Prunus umfasst viele Obstarten, die sich gut für den Anbau im Garten eignen: leuchtend blaue Zwetschgen, rote Kirschen, gelbe Mirabellen oder grüngelbe Renekloden. Typisch sind bei allen der große Kern in der Mitte der Frucht und ihr besonders saftiges Fruchtfleisch. Die meisten schmecken erfrischend süß, wobei es durchaus aromatische Unterschiede gibt. Manche alten Sorten sind geschmacklich nach wie vor unübertroffen. Dies gilt für die ‚Mirabelle von Nancy‘ ebenso wie für die Reneklode ‚Graf Althans‘ oder die ‚Große Grüne Reneklode‘. Interessant sind aber auch Neuheiten wie ‚Aprimira‘, eine Kreuzung aus Zwetschge und Mirabelle. Sie überrascht mit einem Aroma, das an Aprikosen erinnert. Bei einer persönlichen Beratung in der Baumschule kann man herausfinden, welche Obstgehölze am besten in den eigenen Garten passen. Weitere Informationen und Baumschulen vor Ort sind unter www.gruen-ist-leben.de zu finden.

Quelle: BdB